Christus versöhnt – Ökumen. Gottesdienst zum Reformationsgedenken

Am vergangenen Sonntag feierten evangelische und katholische Christen in der evangelischen Kirche Leutershausen einen bisher so noch nie dagewesenen ökumenischen Gottesdienst. Denn gemeinsam wurde das Gedächtnis der Reformation vor 500 Jahren in den Blick genommen. Und anders als in der Vergangenheit, als die Jahrhundertfeiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen eher vertieft haben, ging es diesmal darum, nach den gemeinsamen Wurzeln, den wechselseitigen Herausforderungen und den verbindenden Zukunftsaufgaben zu fragen. In der Begrüßung wies Prädikant Walter Pfefferle auch auf die Verbindung zu der Gottesdienstgemeinschaft hin, die am 11. März 2017 in Hildesheim den zentralen Buß- und Versöhnungsgottesdienst der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, gefeiert hat. Er sprach an, dass in der Vergangenheit der Wille der Konfessionen zur Profilierung stärker war als die Suche nach Gemeinsamkeiten und dass in diesem Gottesdienst Gott um Erbarmen gebeten werden sollte für das, was man sich jahrhundertelang angetan habe. Es solle ein ökumenisches Fest des Glaubens an Jesus Christus gefeiert werden. Nach dem gemeinsamen Gebet des Bußpsalms wurde dann auch sehr anschaulich, was im Einzelnen alles zur Entfremdung der Konfessionen beigetragen hat. An einer symbolisch errichteten Mauer befestigten Mitglieder des örtlichen Ökumeneausschusses Begriffe wie „Religionskriege und Feindschaft“, „Hass“, „Gier nach Macht“, „Hochmut und Stolz“, „Streit und Intoleranz“ und „Lieblosigkeit“ und kommentierten sie anschließend. Die Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther brachte die wesentliche Botschaft von der Versöhnung in Jesus Christus zur Sprache. Anschließend folgte das stellvertretende Schuldbekenntnis des Gottesdienstteams, das in Sätzen ausgedrückt wurde wie: „Wir kommen zu dir, Jesus, in Scham und Trauer über das Leid, das aus unserem Streit entstanden ist. Vergib uns, was uns von dir und voneinander trennt.“ Es wurde aber auch die Hoffnung auf Jesus Christus benannt, der Brot, Licht und Leben auf dem gemeinsamen Weg sein könne. Eine Lesung aus dem Matthäusevangelium mahnte mit den Worten Jesu zusätzlich, dass man einander nicht nur siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal, also immer wieder vergeben müsse. In der Predigt, die Prädikant Pfefferle und Pfarrer Sailer gemeinsam hielten, wies Pfarrer Sailer darauf hin, dass Versöhnung in der Lesung aus dem Korintherbrief mit „Vertauschung“ übersetzt werden könne. „Da vertauschen nämlich Gott und Mensch gegenseitig den Ort, an den sie normalerweise gehören. Der Dienst der Versöhnung besteht darin, dem Greifen von Menschen nach Gottes Göttlichkeit im Großen und Kleinen entgegenzutreten.“ Zentraler Punkt dieser Vertauschung ist das Kreuz Jesu Christi. „Der Ortswechsel von Gott und Mensch im Leben und Tode Jesu Christi aber hat das Kreuz zum genauen Gegenteil dessen werden lassen, was es, als es aufgerichtet wurde, einmal war. Es wurde gewandelt zu einem Zeichen der Versöhnung zwischen Gott und uns. Er ruft uns Menschen auf, zu leben wie Gott es gemeint hat, als er uns schuf.“

Um dem Ausdruck zu verleihen, wurde die Klagemauer vom Beginn des Gottesdienstes vor aller Augen zu einem Kreuz umgebaut, dass dann die positiven Aspekte des Christseins wie Nächstenliebe, Toleranz, Frieden in genau so vielen Begriffen thematisierte wie zuvor die Mauer im negativen Sinne.

Vor diesem aufgerichteten Kreuz bekannten die anwesenden Christen ihren Glauben in einem Lied. Anschließend sprachen Vertreter beider Konfessionen den Dank und die Wertschätzung für die konstruktiven Beiträge im Protestantismus und im Katholizismus aus.

Auf die Fürbitten und das gemeinsame Vaterunser folgte noch eine Selbstverpflichtung, diesem Weg, die grundlegenden Gemeinsamkeiten hervorzuheben und dem Weg ökumenischen Lernens kontinuierlich weiter zu folgen und gemeinsam der Welt Zeugnis von Gott, dem Gott des Friedens und der Hoffnung, abzulegen. Für jede Selbstverpflichtung entzündeten die Sprecher eine Kerze. Dabei waren auch die gemeinsamen Aufgaben in Fragen der Caritas und Diakonie, der sozialen Gerechtigkeit, der Friedenssicherung und der Wahrung der Menschenrechte sowie der Schöpfung im Blick, ebenso die konfessionsverbindenden Ehen. Nach dem Segen wurde noch zu einem gemeinsamen Umtrunk eingeladen, bei dem der persönliche Austausch seinen Platz hatte. Mit der eingesammelten Kollekte von 230,- € unterstützen beide Gemeinden die Ökumenische Hospizhilfe.

(Dieser Beitrag wird am Sunday March 24th, 2019 gelöscht)